Gelebte Inklusion
Wer durch Altdorfs Innenstadt schlendert, der trifft zu hoher Wahrscheinlichkeit auf Menschen mit Behinderung mit oder auch ohne Rollstuhl. Denn die Stadt Altdorf ist zum größten Teil barrierefrei gestaltet – dies nicht ohne Grund, beherbergt das Altdorfer Wichernhaus doch bis zu 70 erwachsene Menschen mit Behinderung (Vgl. Rummelsberger Diakonie).
Berührungsangst abbauen
Nicht selten sind auch die Kinder des Montessori Kinderhaus in Altdorf außerhalb des Kinderhaus-Areals in Altdorf unterwegs und treffen den ein oder anderen Menschen mit Behinderung. „Warum sitzt der Mann/die Frau im Rollstuhl“, ist eine häufige Frage, die die Kinder brennend interessiert. So kam der Gedanke einer Kooperation zwischen dem Altdorfer Wichernhaus und dem Montessori Kinderhaus auf. Kurzerhand traten die Kinderhausleitung Louisa-Sophie Wedel und die Leitung der Förderstätte des Wichernhauses der Rummelsberger Diakonie, Marisa Opel, in Kontakt. „Unser Ziel ist es, dass die Kinder Berührungs- oder Kontaktängste zu Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen verlieren oder im besten Fall erst gar keine aufbauen“, so Wedel. Auch Marisa Opel sieht einen Gegenwert in der gemeinsamen Kooperation: „Unsere Beschäftigten freuen sich den Kindern zu zeigen, was alles trotz einer Behinderung möglich ist und klären gleichzeitig über ihre körperlichen Einschränkungen auf.“
Ziel der neuen Kooperation „Berührungspunkte“ in Altdorf
Die Inklusion ist in Altdorf ein wichtiger Baustein, auch in der Montessori-Pädagogik hat die Inklusion einen enormen Stellenwert, so waren die ersten „Bambinis“, die Maria Montessori genauer auf ihre Bedürfnisse erforschen durfte, Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Im Januar 2025 trafen sich dann das Leitungsteam des Kinderhauses sowie Förderstätten Leitung Marisa Opel und Fachdienst Florian Schmidt zu einem gemeinsamen Brainstorming der Kooperationsangebote im Kinderhaus. Die Ideen künftiger Projekte sprudelten und schnell waren drei Termine für das aktuelle Betreuungsjahr gefunden.
Startschuss für ein Miteinander
Vergangenen Mittwoch, 19.2.2025, durften dann 12 ausgeloste MaxiKinder des Kinderhauses (Kinder im Vorschulalter) gemeinsam mit der Erzieherin Marie Leisenheimer und der Öffentlichkeitsreferentin der Montessori Vereinigung Nürnberger Land e.V., Mariethérèse Haberstumpf, zum ersten Kennenlernen die Förderstätte besuchen. Dort angekommen, wurden sie bereits sehnsüchtig von sechs Beschäftigten der Förderstätte sowie Leitung Marisa Opel und Fachdienst Florian Schmidt erwartet.
Klangglöckchen als Eisbrecher
Um die anfängliche Hemmschwelle schnell zu überwinden, hatten die MaxiKinder eine klangvolle Montessori-Arbeit mit und stellten diese vor. Das gemeinsame Finden zusammengehöriger Klänge machte nicht nur den Kindern, sondern auch den Beschäftigten sichtlich Spaß und leitete direkt zur Vorstellungsrunde über. Noch bevor die offizielle gegenseitige Fragerunde begonnen hatte, wurde die Fragen der Fragen gestellt: „Warum sitzt du im Rollstuhl?“.
„Die Beine wollen nicht aufwachen“
Besonders anschaulich und für die Kinder durchaus verständlich beschrieb Marco Knorn (Beschäftigter der Wichernhaus-Werkstatt) die Lähmung mit sehr müden Beinen, die nicht mehr aufwachen wollen. „Kennt ihr das, wenn ihr müde seid? Meistens sind eure Beine dann auch müde und schwächer als sonst. Bei mir ist das ähnlich, leider wachen meine Beine gar nicht mehr auf“, beschreibt er die Situation bildlich. Im Weiteren zeigte er den Kindern seinen Rollstuhl und wie er sich damit fortbewegen kann. Schnell fielen den Kindern die unterschiedlichen Rollstuhltypen auf – es folgte eine kurze Vorstellung der unterschiedlichen Rollis: manuelle Rollstühle, E-Rollis aber auch Geh- sowie Stehwagen wurden den Kindern erklärt und vorgeführt. Beeindruckend war vor allem das Verwandeln eines E-Rollis in einen Stehwagen, der es gelähmten Menschen ermöglicht, für kurze Zeit in ihrem Gefährt zu aufrecht zu stehen.
Vorfreude auf das, was kommt
Die Fragen nach dem Anziehen und zu Bettgehen beantworteten die Rummelsberger Beschäftigten geduldig. Aber auch andersrum wurden Fragen gestellt, vor allem das Essen im Kinderhaus interessierte die Beschäftigten ganz genau, sodass die MaxiKinder stolz und detailreich das Frühstück sowie das Mittagessen im Kinderhaus schilderten. Mit Ausblick auf die kommenden Projekte, bei denen sich beidseitig musikalischeund aktive Spiele gewünscht wurden, durfte die Truppe aus dem Kinderhaus noch den Garten des Wichernhauses erkunden, der mit seinen zahlreichen Spielgeräten gut bei den Montessori-Kindern ankam. Das nächste gemeinsame Treffen der Kooperation „Berührungspunkte“ findet im Mai 2025 statt.



