Am 11. November – dem Tag des heiligen St. Martin – widmete sich die Montessori FOS einem ganz besonderen Aspekt des Teilens: dem Teilen von Leben.
In Deutschland besitzt längst nicht jede*r einen Organspendeausweis. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) haben nur rund 40 Prozent der Bevölkerung ihre Haltung zur Organspende schriftlich festgehalten. Obwohl die Mehrheit der Menschen in Umfragen grundsätzlich bereit wäre, Organe zu spenden, kommt es in der Praxis häufig zu Unsicherheiten und offenen Fragen – insbesondere, wenn keine persönliche Entscheidung dokumentiert ist.
Umso wichtiger ist die Aufklärung über dieses lebensrettende Thema. Deshalb engagieren sich Medizinstudent*innen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg regelmäßig dafür, Jugendliche über medizinische, ethische und rechtliche Aspekte der Organspende zu informieren.
Auch Britta Dassler, ehemalige Bundestagsabgeordnete und Schirmherrin des Organspende-Informationstags an der Montessori FOS, machte in ihrer Ansprache zu Beginn der Veranstaltung deutlich, wie entscheidend Information und Bewusstsein sind. Sie berichtete von persönlichen Erfahrungen im Familienkreis und appellierte an die Schüler*innen, sich aktiv mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen und eine eigene Entscheidung zu treffen – egal, ob dafür oder dagegen.
Anhand des Fallbeispiels des fiktiven Patienten „Peter“ erklärten Fabienne, Charlotte und Tobias vom Erlanger Aufklärungsteam anschaulich, welche medizinischen Voraussetzungen für eine Organspende erfüllt sein müssen. Zentraler Punkt: Eine Organspende ist nur nach festgestelltem Hirntod möglich, der in Deutschland durch zwei unabhängige Ärztinnen bestätigt werden muss. „Uns ist wichtig, dass wir euch neutral informieren. Niemand soll sich zu einer bestimmten Entscheidung gedrängt fühlen“, betonten die Medizinstudent*innen mehrfach zu Beginn und im Verlauf des Vortrags.
Durch viele interaktive Elemente entwickelte sich rasch eine offene und vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre. Statt eines reinen Frontalvortrags entstand ein lebendiger Austausch, in dem die Schüler*innen zahlreiche Fragen stellen und eigene Gedanken einbringen konnten.
Besonders interessant war der Vergleich zur Situation in anderen europäischen Ländern:
- In Ländern wie Spanien, Österreich oder Belgien gilt die sogenannte Widerspruchslösung – dort ist grundsätzlich jede*r potenzieller Organspender*in, solange kein schriftlicher Widerspruch vorliegt.
- In Deutschland hingegen gilt weiterhin die Zustimmungslösung: Nur wer ausdrücklich seine Einwilligung gegeben hat, kann nach dem Tod Organe spenden.
- Diese Unterschiede spiegeln sich auch in den Zahlen wider: Während Spanien seit Jahren weltweit führend bei Organspenden ist (mit rund 46 Spendern pro Million Einwohner), liegt Deutschland mit etwa 11 Spendern pro Million deutlich darunter.
Dass das Thema bewegt, zeigte sich am Ende der Veranstaltung: Der Gesprächsbedarf war groß, viele Schüler*innen wollten mehr wissen und weiter diskutieren.
Ein herzlicher Dank gilt Dagmar Ibach (Verantwortliche des Gesundheitszweigs), dem Aufklärungsteam Organspende Erlangen sowie Britta Dassler, die diesen besonderen Tag ermöglicht haben.
Wir sind überzeugt, dass der Organspende-Informationstag künftig eine feste Größe im Veranstaltungskalender der Montessori Vereinigung Nürnberger Land sein wird – als wichtiger Beitrag zu Wissen, Aufklärung und Bewusstsein über das Teilen von Leben.




