Flache Hierarchien, freundschaftliche Basis, wechselseitiger Respekt und viel Eigenverantwortung – so lernen die knapp 160 Fachoberschüler*innen an Monte-FOS Lauf. Um zu erleben, wie sich ein solcher Schultag in der Praxis gestaltet, haben wir den 18-jährigen Fabian einen Vormittag lang begleitet.
7:45 bis 8:15 Uhr – Check-in: Die Schüler*innen der Monte-FOS können einen Ankunftskorridor nutzen und sich eigenständig über einen QR-Code einchecken. Punkt 8 Uhr muss keiner da sein, es reicht die flexible Ankunft bis 8:15 Uhr. Und auch dann geht es nicht direkt in den Unterricht: „Wir kommen erst mal an und haben eine Freiphase. Da kann man noch etwas vorbereiten oder sich austauschen“, erklärt Fabian, der bereits als Grundschüler an die Monte gekommen war – und in diesem Fachbereich auch seine berufliche Zukunft sieht: Als Pädagoge im Hort, wo er bereits ein Praktikum absolviert hat. Für ihn sind es die angenehme Atmosphäre und der respektvolle Umgang, die Monte besonders machen. „Eine freundschaftliche Basis und dass hier alles nicht so hierarchisch geprägt ist – das habe ich gesucht und gefunden“, ergänzt Mitschüler und Schülersprecher Andrei.
8:45 Uhr – Normalerweise startet jetzt der erste Impuls: Pro Fach gibt es an der Monte-FOS einen wöchentlichen verpflichtenden Impuls, das restliche Lernen erfolgt frei und selbstorganisiert. Der Tagesrhythmus wird bestimmt von kurzen Impuls- und langen Freiarbeitsphasen. Heute ist kein ganz typischer Tag, denn eine Deutschschulaufgabe steht an. Als staatlich anerkannte Ersatzschule gibt es hier Prüfungen und Noten – nur, dass die Zensuren hier nicht übermächtig alleine stehen, sondern durch regelmäßige und intensive persönliche Feedbackgespräche in den Kontext gesetzt werden. Denn: „Eine Note zeigt eine Momentaufnahme, nicht das Können der Schüler*innen!“, so Schulleiter Jürgen Thoma.
10:15 Uhr: Geschafft! „Deutsch ist für mich ein gutes Fach, außerdem mag ich den Lehrer“, sagt Fabian. Wäre das nicht so, wäre dies aber auch kein großes Problem, denn die Schüler*innen können sich an jede beliebige freie Lehrkraft wenden. „Manchmal versteht man etwas besser, wenn es eine andere Person erklärt“, so die beiden Schüler. Dadurch, dass die Pädagog*innen nicht in 90-minütigen Unterrichtsblöcken gebunden sind, stehen sie zur Verfügung für individuelle Vertiefung der Lerninhalte oder spezielle Schwierigkeiten und Fragestellungen.
10:45 Uhr – Mathe-Impuls: Ableitungen – anspruchsvoller Stoff. Der eine hat es schnell verstanden, andere haben viele Rückfragen. Die Lehrerin geht rum, fragt nach, gibt kleine Hinweise. Wer die Aufgabe ohne Probleme lösen kann, darf das Zimmer verlassen und sich anderen frei gewählten Themen widmen. Wer Schwierigkeiten hat, bleibt und erhält Unterstützung.
11:15 Uhr – Mathe, die Zweite: Wer möchte, kann für die Korrektur der Klausur bleiben. Diejenigen, die mit ihrer Note nicht zufrieden sind, bleiben da, andere gehen in die Pause oder in einen der großzügigen Gruppenräume: Im Obergeschoss befindet sich der „Stillarbeitsbereich“, im Erdgeschoss der Bereich „Kommunikation“ und im Untergeschoss arbeitet man im „Flüsterton“. Wo und mit wem sie lernen, können die Jugendlichen selbst entscheiden, ebenso welche Inhalte für sie gerade relevant sind.
„In diesem Jahr konnten wir erleben, dass das Konzept greift und sich trägt, dass sich die Schüler*innen wohlfühlen – und ihre Abschlüsse mit tollem Erfolg erreichen!“, so Schulleiter Thoma. 72 (Fach)-Abiturient*innen haben es in diesem Jahr geschafft – mit einigen Einsern vorm Komma und sogar einmal der Traumnote 1,0. „Freiheit, Selbstbestimmtheit, aber auch Eigenverantwortung prägen unser Konzept. Und diese Aspekte sind es auch, die die Schüler*innen auf das echte Leben, die Uni, den Job vorbereiten“, so der Schulleiter Thoma. Die bei aller Freiheit notwendige Struktur bietet der SOLiS-Kompass – eine Art Lern- und Fortschrittstagebuch, der den Jugendlichen hilft, den Überblick zu behalten, sich zu organisieren und Prioritäten richtig zu setzen.
11:45 Uhr. Lesestunde! Heißt: Auf freiwilliger Basis treffen sich die Schüler*innen einmal wöchentlich mit einer Deutschlehrkraft, um gemeinsam Texte zu lesen und zu analysieren – von Raptexten von Haftbefehl über moderne Kurzgeschichten bis hin zu Klassikern ist alles dabei: „Die Texte sucht ein Deutschlehrer raus, die sind dann immer premium!“, so die sechs Jungs zwischen 17 und 22, die sich im Stuhlkreis eingefunden haben. Heute hat der Lehrer Stefan Zweig mitgebracht. Nicht einfach und doch: Die Jungs sind konzentriert bei der Sache, lesen vor, fragen nach, interpretieren, kommentieren. Für Fabian ist die Lesestunde ein Wochenhighlight, das er selten verpasst. Um 12:30 Uhr heißt es aber erstmal Pause und Freiarbeit. Am Nachmittag steht noch ein weiterer Impuls auf dem Plan, bevor die Schüler*innen sich ab 15 Uhr eigenständig auschecken.
Freiheit mit Verantwortung: Das ist SOLiS
Das selbst erarbeitete Lernkonzept der Monte-FOS Lauf nennt sich SOLiS. Der Begriff steht als Akronym für dessen wesentliche Grundlagen, die unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Studien, auf Basis intensiven Austauschs mit Fachleuten und insbesondere unter Einbeziehung der Schüler*innen selbst in Anlehnung an die Pädagogik Maria Montessoris entwickelt wurde: Selbstregulation, Orientierung an gesellschaftlichen Herausforderungen, Lebensraum Schule, impulsbegleitetes Lernen, Schülerzentrierung. „Wir haben uns überlegt, was die jungen Menschen wirklich brauchen, bevor sie den Schritt in die Arbeitswelt, ins Studium oder in ein soziales Jahr im In- oder Ausland gehen“, so Schulleiter Jürgen Thoma. Angesichts der permanenten Verfügbarkeit riesiger Datenmengen im Internet sei Auswendiglernen nicht mehr zeitgemäß. „Wichtiger ist zum einen, Quellen im Internet richtig zu verwenden, sie einordnen und auswerten zu können. Zum anderen werden Selbstorganisation und Selbstmotivation immer zentraler.“
Über die Montessori-FOS Lauf
Die Montessori-Fachoberschule Lauf wurde 2008 eröffnet und startete zunächst mit den beiden Ausbildungszweigen Sozialwesen und Wirtschaft-Verwaltung-Recht. Inzwischen beinhaltet das Angebot der Monte-FOS nunmehr vier Ausbildungszweige: Gestaltung, Gesundheit, Sozialwesen und Internationale Wirtschaft. In den letzten Jahren ist die Schüler*innenzahl stetig angewachsen. Um dem gewachsenen Platzbedarf Rechnung zu tragen, wurde zum Start des Schuljahrs 2022 ein Erweiterungsbau bezogen. Seit dem Schuljahr 2022/23 kann an der Monte FOS auch die allgemeine Hochschulreife erlangt werden.
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